| Glossar
zur Chronik des Galopprennsports in Doberan |
| Alexandrinenrennen
Alexandrinenbecher
|
Alexandrine
war die Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III.
und dessen Gemahlin Königin Luise, geborene Prinzessin von
Mecklenburg-Strelitz. Sie heiratete am 25. Mai 1822 den Erbgroßherzog
Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin und wurde zur Förderin
der Vollblutzucht und des Galopprennsports in Mecklenburg.
Bereits zum ersten Galopprennen in Doberan am 10. August 1822
überreichte sie dem Sieger Wilhelm von Biel einen silbernen
Prunkbecher als Preis. Danach fanden alljährlich zwei Alexandrinenrennen
statt. Der Sieger des ersten Alexandrinenrennens erhielt einen
vergoldeten Silberbecher und der Sieger des zweiten Alexandrinenrennens
einen Silberbecher, jeweils mit eingravierten Daten. Somit
handelt es sich bei den Alexandrinenrennen um die ersten klassischen
Rennen zumindest in Deutschland, wenn nicht europaweit. Der
berühmte preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel entwarf
die ursprüngliche Form des Alexandrinenbechers; die Ausführung
erfolgte durch den Goldschmied des Preußischen Hofes in Berlin,
Johann George Hossauer. Die Form des Alexandrinenbechers änderte
sich im Laufe der Zeit entsprechend dem jeweiligen Zeitgeschmack. |
| Apperley-Beaurepaire,
James |
James
Apperley war englischer Herrenreiter, verkehrte in höchsten
Kreisen der dortigen Vollblutzucht und besuchte im Jahr 1828
Deutschland. Eine wichtige Station dabei war Doberan, wo er
als Jockey/Herrenreiter ein Rennen gewann. In einem lebhaften
Reisebericht schildert er seine Eindrücke und gibt dabei auch
eine Beschreibung des Geläufs sowie der kurz zuvor entstandenen
Holztribüne auf der Doberaner Rennbahn. |
| Bauernrennen |
Das
Bestreben des Großherzogs Friedrich Franz I. und seiner Berater,
die Qualität der in Mecklenburg gezüchteten Pferde als unverzichtbares
Arbeitsmittel in Armee und Landwirtschaft zu sichern und möglichst
zu heben, führte 1823 zu dem Beschluß, alljährlich im Rahmen
der Doberaner Renntage "Bauernrennen" durchzuführen.
Dabei handelte es sich um Galopprennen für Halb- und Warmblutpferde,
die den Bauern der Region gehörten. Die Tradition der "Bauernrennen"
ist untrennbar mit dem Galoppsport in Doberan verbunden und
sichert gestern wie heute dem Ostseemeeting ein tiefes Verankern
im Bewußtsein der regionalen Bevölkerung. Für das Jahr 1833
ist von Studemund am 13. August belegt "...Rennen
der Landleute. Es liefen 123 Pferde in 12 Abtheilungen. Eine
gelbe Stute des Schulzen Hardder aus Rukieten erhielt den
Hauptpreis von 20 Fr d'or und eine Peitsche." Heute
finden während der Renntage meist zwei Bauernrennen mit insgesamt
20 bis 25 Startern statt. |
| Biel,
Wilhelm von |
Gottlieb
und sein Bruder Wilhelm von Biel, gemeinsam mit ihrem Geschäftsfreund
Friedrich Pogge, waren Vorreiter der Vollblutzucht in Mecklenburg
und unterhielten enge Verbindungen nach England. Aber auch
die Grafen Plessen auf Ivenack, die Grafen Hahn-Basedow, die
Grafen Bassewitz-Prebberede, die Grafen Moltke-Wolde sowie
die Familien von Oertzen und von Maltzahn machten sich um
die Vollblutzucht in Mecklenburg verdient. Die Doberaner Siegerlisten
der Jahre 1822 ff. werden von vorgenannten Familien dominiert. |
| Deutsches
Derby |
Englischem
Vorbild folgend wird ab 1869 in Hamburg-Horn am ersten Sonntag
im Juli das "Deutsche Derby" als Zucht- und Leistungsprüfung
der besten dreijährigen Vollblüter abgehalten. Erster Derbysieger
war der Hengst Investment, der dem Mecklenburger
Ulrich von Oertzen gehörte. Trainer und Jockey von Investment
waren die Engländer Bateman und Little. |
| Grzech,
Berno |
Erster,
1990 demokratisch gewählter, hauptamtlicher Bürgermeister
Bad Doberans nach Zusammenbruch der "DDR". Entwickelte
Visionen für ein Wiederbeleben der Galopprennen einschließlich
des Neubaus einer Tribüne und unterstützte die Anlage der
galoppsportlichen Infrastruktur auf der stadteigenen Rennbahn
nach besten Kräften. 1991 zum Vorsitzenden des neugegründeten
"Doberaner Rennverein e.V. von 1822" gewählt.
1996 von der Kommunalaufsicht als Bürgermeister maßgeblich
mit dem Argument vorzeitig abberufen, er habe bei der Neuanlage
der Galopprennbahn mit städtischen Finanzmitteln gegen Hauptpflichten
eines Bürgermeisters verstoßen. |
| Herodot |
Apfelschimmel
vermutlich nicht ganz reinen Vollbluts, der keine Rennen lief,
aber ein prächtiger Vererber im Gestüt der Grafen Plessen-Ivenack
war; Herodots Nachkommen siegten serienweise. Napoleon
sandte 1806 eigens eine Schwadron mit der Order nach Mecklenburg,
Herodot und die übrigen Hengste und Stuten von Ivenack
für die französische Armee und die Pferdezucht zu requirieren.
Man versteckte den Hengst in einer der tausendjährigen Eichen Ivenacks. Als Herodot
seine Stuten witterte, die von den Franzosen in der Nähe vorbeigetrieben
wurden, wieherte er und verriet damit sein Versteck. Fürst
Blücher, 1814 gemeinsam mit dem englischen General Wellington
Sieger über Napoleon bei Waterloo / Belle Alliance, erzwang
von Frankreich 1815 im Rahmen des Wiener Kongresses, Herodot
an die Grafen Plessen-Ivenack zurückzugeben.
Der Hengst starb im Alter von 35 Jahren im Gestüt Ivenack
und soll an einer der dortigen Eichen begraben worden sein. |
| Highflyer |
Berühmter
englischer Hengst, geboren 1774 und fünfjährig als Rennpferd
angeblich ungeschlagen in die Zucht gegangen. Er gelangte
bereits früh in den Besitz des legendären Pferdehändlers und
-auktionators Richard Tattersall, der u.a. mit den von Highflyer
erzielten Geldpreisen sein Geschäft ausbaute. Sowohl die englische
als auch die deutsche Vollblutzucht sind von Highflyer
stark beeinflußt worden. Es wird vermutet, daß der Doberaner
Rennverein zu seinem Wappentier gelangte, weil die Familie
von Biel als eine der treibenden Kräfte der Vollblutzucht
in Mecklenburg freundschaftliche Verbindungen zur Familie
Tattersall pflegte. |
| Kincsem |
Die
Stute Kincsem aus dem ungarischen Nationalgestüt
Kisber gewann zweijährig 1876 das Doberaner "Friedrich-Franz-Rennen".
Kincsem "...war möglicherweise das perfekteste
Rennpferd der Turfgeschichte. Die Wunderstute gewann alle
54 Rennen, in denen sie als Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfjährige
aufgeboten wurde..." (Arnim Basche, "Geschichte
des Pferdes") |
| Schmalspurbahn
"Molli" |
Die
Schmalspurbahn wird noch heute mit Dampflokomotiven und fahrplanmäßig
betrieben. Als "Mecklenburgische
Bäderbahn Molli" ist sie Touristenattraktion
und verbindet den Bahnhof von Bad Doberan mit den Ostseebädern
Heiligendamm und Kühlungsborn. Zu den Doberaner Renntagen
hält der "Molli" auch an der Rennbahn. |